Die im Folgenden genannten Mengen beschreiben die jeweiligen Versuche. Sie sind keine persönliche Dosierungsempfehlung.
Was ein höherer Testosteronwert aussagt
Testosteron spielt unter anderem für Sexualfunktion, Muskel- und Knochengewebe eine Rolle. Der größte Teil im Blut ist an Eiweiße gebunden; nur ein kleiner Teil liegt frei vor. Deshalb können Gesamt-Testosteron, freies Testosteron und ein aus Blutwerten berechneter Index unterschiedliche Ergebnisse liefern. Auch das Bindungseiweiß SHBG beeinflusst die Einordnung.
Die hier besprochenen Hormonstudien wurden an Männern durchgeführt. Ein medizinisch diagnostizierter Mangel verbindet passende Beschwerden mit zuverlässig und wiederholt niedrigen Werten. Die Endocrine Society verlangt dafür geeignete Messungen und eine Bestätigung durch eine weitere morgendliche Blutentnahme. Müdigkeit allein oder ein einzelner Laborwert reichen nicht. Bei anhaltendem Libidoverlust, veränderten Erektionen oder anderen Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung der sinnvolle Weg; sie kann auch andere Ursachen erfassen.
Für die Forschung heißt das: Ein Hormonanstieg ist ein Laborbefund. Mehr Muskelmasse, bessere Sexualfunktion oder höhere Fruchtbarkeit müssen als eigene Ergebnisse untersucht werden. Gesunde Studienteilnehmer und Menschen mit einem bestätigten Mangel sind zudem verschiedene Ausgangsgruppen.
- Präparat oder PlaceboZufällig zugeteilte Gruppen
- Veränderung messenAusgangs- und Endwerte
- Gruppen vergleichenZusätzlicher Effekt?
Shilajit: Wie weit die positiven Befunde tragen
Shilajit, auch Mumijo genannt, ist ein harzähnliches organisch-mineralisches Naturmaterial. Die Zusammensetzung und Verarbeitung unterscheiden sich. In der bekannten Testosteronstudie wurde ein gereinigter, standardisierter Extrakt namens PrimaVie eingesetzt.
Ein positiver Befund bei Männern im mittleren Alter
Pandit und Kollegen teilten 96 Männer im Alter von 45–55 Jahren per Zufall in die beiden Gruppen ein; 75 wurden abschließend ausgewertet. Über 90 Tage erhielten sie zweimal täglich 250 mg des Extrakts oder Placebo. Die Autoren berichteten höhere Gesamt- und freie Testosteronwerte gegenüber Placebo.
Der oft genannte Anstieg von 20,45 % beim Gesamt-Testosteron bezieht sich auf den eigenen Ausgangswert: 4,84 auf 5,83 ng/ml. Er ist kein prozentualer Mehranstieg gegenüber Placebo. Die Gruppen hatten bereits zu Beginn unterschiedliche Hormonwerte; 21 Abbrecher blieben aus der Auswertung ausgeschlossen. Natreon, der Präparatehersteller, finanzierte die Arbeit. Eine Besserung von Mangelsymptomen wurde nicht als Ergebnis gezeigt.
Originalarbeit und Messung ansehen
Die Messungen erfolgten nüchtern per Immunoassay; freies Testosteron wurde direkt per ELISA bestimmt. Solche Messverfahren sind bei der Einordnung relevant. Originalvolltext in Andrologia, DOI 10.1111/and.12482.
Eine neuere Harzstudie ohne Hormonanstieg
In einem 28-Tage-Versuch mit 25 Männern wurde das Präparat TruBlk untersucht, ohne Placebogruppe. Gesamt-Testosteron veränderte sich von 394 auf 383 ng/dl; der Unterschied war statistisch nicht signifikant. Ein neueres Datum macht die Studienlage daher nicht automatisch eindeutig. Yadav et al., Cureus 2026.
Neue kontrollierte Daten, noch vorläufig
Ein weiterer TruBlk-Versuch teilte 100 krafttrainierende Männer per Zufall in die beiden Gruppen ein; 99 schlossen ihn ab. Nach 90 Tagen berichteten die Autoren positive Unterschiede der Hormonänderungen gegenüber Placebo. Die Hormonwerte waren zusätzliche Fragestellungen der Studie; ihre Ergebnisse bezeichneten die Autoren als vorläufig (explorativ). Eine Korrektur für die vielen parallelen statistischen Vergleiche fehlte. Bei mehreren Prüfungen steigt die Chance, dass ein positives Ergebnis zufällig entsteht. Amaara finanzierte den Versuch; mehrere Autoren sind mit dem Hersteller verbunden.
Die Arbeit ist ein Preprint, noch keine bestätigte begutachtete Veröffentlichung. Sie ergänzt die Forschung, liefert aber keine unabhängige klinische Bestätigung. Originalpreprint auf medRxiv.
Und die häufig zitierte Fruchtbarkeitsstudie?
Biswas et al., 2010 untersuchten Männer mit niedriger Spermienkonzentration: 35 wurden aufgenommen, 28 schlossen den Versuch ab. Testosteron und einige Samenparameter verbesserten sich gegenüber den Ausgangswerten. Es gab keine Kontrollgruppe. Daraus lässt sich weder eine Behandlung von Unfruchtbarkeit noch ein entsprechender Effekt bei gesunden Männern ableiten.
Bockshornklee: Der Extrakt bestimmt, welche Studie passt
Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) ist als Gewürz bekannt. Die Testosteronforschung untersucht überwiegend konzentrierte Samenextrakte mit unterschiedlichen Herstellungsverfahren und Bestandteilen. Testofen, Fenu-FG, Furosap und Trigozim sind deshalb keine beliebig austauschbaren Bezeichnungen. Studien mit einem Extrakt belegen keine entsprechende Wirkung einer Prise Samen, eines Tees oder einer anderen Mischung.
- Samen als GewürzDie Ausgangspflanze
- VerarbeitungHerstellung und Standardisierung
- Benannter ExtraktDie konkrete Studiengrundlage
Hormonwerte und Sexualfunktion als getrennte Ergebnisse
Rao et al. teilten 120 Männer per Zufall auf Extrakt und Placebo auf. Der Versuch mit 600 mg Testofen täglich über zwölf Wochen berichtete höhere Gesamt- und berechnete freie Testosteronwerte gegenüber Placebo. Auch Fragebogenwerte zur Sexualfunktion und altersbezogenen Beschwerden verbesserten sich.
Die Arbeit wurde von Gencor unterstützt. Nicht für alle Randomisierten lagen Hormonmessungen vor; die Publikation enthält unterschiedliche Zahlen zur Hormonauswertung. Der positive Befund rechtfertigt weitere Forschung, aber keine allgemeine Zusage für alle Bockshornklee-Produkte.
Freier Wert positiv, Gesamtwert ohne klaren Vorteil
Eine weitere placebokontrollierte Studie kombinierte acht Wochen Krafttraining mit 600 mg Fenu-FG täglich. 60 Männer wurden per Zufall zugeteilt, 55 ausgewertet. Freies Testosteron entwickelte sich günstiger als unter Placebo; beim Gesamt-Testosteron fand sich kein signifikanter Vorteil. Wankhede et al., Originalarbeit.
2024: Eine Studie, drei verschiedene Messgrößen
Im zwölfwöchigen Trigozim-Versuch von Lee-Ødegård et al. schlossen 95 von 100 Männern die Untersuchung ab. Drei Extraktmengen (600, 1.200 oder 1.800 mg täglich) wurden mit Placebo verglichen; alle Gruppen erhielten dieselben ergänzenden Nährstoffe. Die zusammengefassten Extraktgruppen ergaben im Vergleich mit Placebo:
Gesamt-Testosteron im Blutplasma
+9,0 %
Kein statistisch gesicherter Vorteil
p = 0,122
Berechneter freier Testosteronindex
+11,3 %
Kein statistisch gesicherter Vorteil
p = 0,059
Testosteron im Speichel
+37,2 %
Statistisch erhöht
p = 0,042
Das sind unterschiedliche Messgrößen, keine Rangliste des persönlichen Nutzens. Der Index wurde aus Blutwerten berechnet; Speichel-Testosteron ersetzt die leitliniengerechte Blutdiagnostik nicht. Die Teilnehmer berichteten keine nachweisbare Verbesserung der abgefragten subjektiven Beschwerden oder Libido. Der Versuch war kommerziell finanziert; zwei Autoren hatten Unternehmensverbindungen.
Eine weitere neue Arbeit richtig einordnen
Ein FENUDAAT-Preprint von 2025 mit 43 Männern und acht Wochen Krafttraining zeigt im Volltext keinen signifikanten Testosteronvorteil gegenüber Placebo. Der Anstieg innerhalb der Extraktgruppe allein belegt diesen Vorteil nicht. Auch hier zählen Vergleich und Veröffentlichungsstatus, wenn ein kurzer Werbetext positiv klingt.
Was die Gesamtauswertung von 2026 hinzufügt
Eine systematische Übersicht von Yang et al., 2026 erfasste 13 Studieneinheiten mit Bockshornklee-Präparaten. Für Gesamt-Testosteron konnten sechs Studien mit 385 Männern zusammengefasst werden: ein kleiner statistischer Effekt. Für freies Testosteron ergaben fünf Studien mit 334 Männern keinen klaren Vorteil.
Die Autoren bewerteten die Gewissheit beider Ergebnisse als sehr niedrig. Unterschiedliche Extrakte und Messverfahren, kleine Studien und methodische Schwächen begrenzen das Vertrauen in die Schätzung. Keine eingeschlossene Studie wurde insgesamt als frei von relevantem Verzerrungsrisiko eingestuft. Die Gesamtauswertung ist daher aussagekräftiger als ein einzelner positiver Prozentwert, begründet aber keine verlässliche Steigerungszusage.
Auch biologische Erklärungen müssen von klinischen Ergebnissen getrennt bleiben. Vorgeschlagene Wirkwege über Pflanzenbestandteile oder den Hormonstoffwechsel sind noch kein Nachweis, dass genau dieser Weg beim Menschen den gewünschten Alltagseffekt auslöst.
Drei Fragen, die ein Präparat beantworten sollte
Ist es tatsächlich der untersuchte Extrakt?
Vergleiche Extraktname, Herstellung und Standardisierung mit der Originalarbeit. Ein hoher Fulvinsäure- oder Saponin-Prozentwert allein macht ein anderes Präparat nicht gleichwertig. Mischungen erlauben meist keine Zuordnung einer Wirkung zu einer einzelnen Zutat.
Welche Qualität wurde an dieser Charge geprüft?
Bei Shilajit sind nachvollziehbare Analysen des konkreten Materials wichtig. Untersuchungen von Rohmaterial und Nahrungsergänzungen fanden unterschiedliche Metallgehalte. Ein brauchbarer Analysebericht nennt Charge, Datum, Labor, gemessene Stoffe und Ergebnisse mit Einheiten. „Rein“ oder ein Siegel allein beantwortet das nicht. Thalliumanalyse 2025; Materialanalyse 2026. Eine solche Analyse ist ein Qualitätsbeleg für die untersuchte Probe, kein Wirksamkeitsnachweis.
Passt eine Ergänzung zu deiner Situation?
Bockshornklee-Extrakte können unter anderem Magen-Darm-Beschwerden, Allergien und eine zusätzliche Blutzuckersenkung auslösen. Bei blutzuckersenkenden Arzneien, Gerinnungsmedikation oder relevanter Erdnuss-/Hülsenfruchtallergie sollte die Einnahme vorher mit Arzt oder Apotheke geklärt werden. Höhere Mengen als übliche Lebensmittelmengen sind in der Schwangerschaft ungeeignet. NCCIH: Bockshornklee und Sicherheit; EMA-Monographie, PDF.
Produkttipps: Zwei klar benannte Extrakte vergleichen
Wenn du eine Ergänzung erwägst, erleichtern ein benannter Extrakt und eine ausgewiesene Kapselmenge den Vergleich. Diese Auswahl nennt PrimaVie und Testofen ausdrücklich auf dem Etikett. Entscheidend für die Auswahl sind die deklarierte Zusammensetzung und die Kapselform; die Studienergebnisse oben bleiben mit ihren jeweiligen Grenzen eingeordnet.
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Der Markenextrakt ist auf der Packung klar ausgewiesen. Laut Etikett enthalten zwei Kapseln insgesamt 500 mg PrimaVie; das macht die Mengenangabe leicht mit einer Originalarbeit vergleichbar. Die Kapselmenge ist eine Produktangabe, keine persönliche Einnahmeempfehlung.
Bei Shilajit gehört der chargenbezogene Analysebericht zur Qualitätsprüfung. Der Markenname ersetzt diesen Bericht nicht. SuperSmart nennt Nierensteine als Gegenanzeige für dieses Präparat.
Herstellerinformation SuperSmart: Zusammensetzung und Produktangaben
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KI60 vegane Kapseln · 300 mg Testofen je Kapsel
Das Produkt benennt den Testofen-Extrakt von Gencor und seine Standardisierung auf 50 % Fenuside-Saponine. Zwei Kapseln enthalten laut Etikett 600 mg Extrakt. Als weitere Zutat nennt der Anbieter die pflanzliche Kapselhülle; ein komplexer Zutatenmix erschwert hier den Vergleich nicht.
Der klar benannte Extrakt ist der Auswahlgrund. Er lässt sich genauer zuordnen als ein nicht näher beschriebenes Samenpulver. Die Hinweise zu Allergien, Arzneimitteln und Schwangerschaft im Abschnitt darüber gelten auch bei einem Markenpräparat.
Herstellerinformation KENAY: Zutaten und Etikettangaben
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Womit du im Alltag sinnvoll beginnst
Wenn es dir um Beschwerden geht, notiere, was sich verändert hat, seit wann und welche Medikamente oder Ergänzungen du verwendest. Das hilft bei der ärztlichen Einordnung. Ein Supplementversuch ist kein zuverlässiger Selbsttest auf Testosteronmangel.
Bei Übergewicht oder Adipositas und einem funktionellen Mangel empfiehlt die EAU-Leitlinie 2026 zunächst Gewichtsreduktion und Lebensstilmaßnahmen. Regelmäßige Bewegung, eine passende Ernährung und erholsamer Schlaf sind vernünftige Ansatzpunkte. Sie versprechen keinen bestimmten Hormonanstieg und ersetzen bei einer organischen Ursache keine Behandlung.
Wenn du vor allem ein Produktversprechen prüfen möchtest, beginne bei der verlinkten Originalstudie: Welche Menschen, welcher Extrakt, welcher Vergleich, welches Ergebnis? Damit lässt sich ein interessanter Forschungsbefund von einer zu weit gehenden Zusage unterscheiden.
Studien und Einordnung zum Weiterlesen
- Shilajit: Pandit 2016: gereinigter Extrakt und Hormone · Biswas 2010: unkontrollierte Oligospermie-Studie · Yadav 2026: 28-Tage-Pilot · Yadav Juli 2026: kontrollierte Studie, Preprint.
- Bockshornklee: Rao 2016: Testofen · Wankhede 2016: Fenu-FG mit Krafttraining · Lee-Ødegård 2024: Trigozim, Blut und Speichel · Yang 2026: systematische Übersicht und Meta-Analyse · FENUDAAT 2025: Preprint.
- Klinischer Kontext: Endocrine Society: Diagnose und Behandlung · EAU 2026: männlicher Hypogonadismus · NIH/ODS: Was Qualitätssiegel aussagen.
Quellenstand: 13.10.2026. Dieser Ratgeber dient der Aufklärung über Studien und ihre Aussagekraft. Er bietet keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlungsempfehlung.


